Historie

 

 

WICHTIGE STATIONEN DES ÖPNV
IM HOHENLOHEKREIS

Flotte NVH

Altes Rathaus

Stadtbus

 

Richtiger Weg
Wenn man heute, den NVH und seine aktuellen Fahrgastzahlen betrachtet, so kann man ganz bewußt von einer systematischen Entwicklung und insbesondere von einem absolut richtigen Systemansatz sprechen. Von einem flächendeckenden ÖPNV im Hohenlohekreis war die Rede und ein genau Solcher stellt der NVH heute dar.


Entstehungsphase
Die Durchführung der Kreisreform 1973 gab den Anlaß dafür, den NVH weg vom reinen Schülerverkehr in einen leistungsfähigen "Jedermann-Verkehr" umzuwandeln. Mit 47% Erwerbstätigen im Hohenlohekreis und davon 30% Pendlern zwischen Wohnort und Arbeitsplatz war genug Fahrgastpotential vorhanden um einen solchen Schritt zu wagen. Die 60% pendelnden Schüler sollten dann künftig im öffentlichen Linienverkehr ihren Weg zur Bildungsstätte und wieder nach Hause finden, was sich bis zum heutigen Tage bewährt hat.


Modellphase
Nach intensiven Diskussionen und Abstimmungen unter anderem auch mit Gemeinden, Schulen, Elternbeiräten und Ministerien, insbesondere über Linienführung und Tarifpläne konnte das neue Nahverkehrskonzept präsentiert werden. Der Kreistag entschied im April 1979, die Trägerschaft für einen vierjährigen Modellversuch zu übernehmen. Grundlage dafür war eine Entscheidung der Landesregierung, ebenso wie der Bund, die finanziellen Risiken des Versuchs mitzutragen. Der Kreistag beschloß weiterhin, den NVH als Eigenbetrieb des Kreises zu führen und für die Verwaltungaufgaben eine Geschäftsstelle im Landratsamt einzurichten. Die Fahrleistung sollte, wie auch beim vorherigen Schülerverkehr, von den privaten Verkehrsunternehmen erstellt werden. Die privaten Verkehrsunternehmen übertrugen hierbei ihre Betriebsrechte an den NVH, behielten aber weiterhin die Konzessionen im rechtlichen Sinne. Es entstand ein Zwei-Ebenen-Modell, wodurch die Aufgaben und Kompetenzen klar abgegrenzt werden konnten. Die Ergebnisverantwortung und die dafür notwendige Angebots-, Durchführungs- und Organisationsverantwortung liegt beim NVH (Ebene 1). Die Verkehrsunternehmen hingegen sind für die Produktion, d.h. die Erstellung der Fahrleistung im Rahmen der Vorgaben des NVH zuständig und verantwortlich (Ebene 2).


Erfahrungsphase
Eine wesentliche Aufgabe der Modellphase war es auch, Eindrücke und Erfahrungen zu sammeln um somit ein Fahrangebot zu erstellen, das den tatsächlichen Bedürfnissen der Bevölkerung entsprach. Es mußte leider bereits in den ersten drei Jahren eine Leistungsreduzierung vorgenommen werden, da der prognostizierte Fahrgastzuwachs nur zu 50% eintrat. Von anfangs 5,2 Mio. Wagenkilometer wurden dann noch 3,9 Mio. gefahren. Dies waren jedoch immer noch rund 43% mehr Wagenkilometer als vor dem Modellvesuch.


Integrationsphase
Vier Jahre Modellversuch hatten gezeigt, daß der NVH mit seinem flächendeckenden Angebot, einer für ländliche strukturierte Räume einmaligen Konzeption, Erfolg hatte. Auch wenn die Einnahmen unter den Prognosen lagen, was insbesondere auf die sehr zäh verlaufende Fahrgastgewinnung im Berufs- und Versorgungsverkehr zurückzuführen war, so bewegten sich die Kosten jedoch im Rahmen der Planung. Der Kreistag beschloß schließlich am 2. Mai 1983 die Modellphase zu beenden und den NVH in kreiseigene Verantwortung zu übernehmen. Ziel des NVH war es nun, das entstandene Leistungsniveau zu halten und bei Bedarf weiter auszubauen.


Intensivierungsphase
Durch die ständig steigende Mobilisierung seitens der Bevölkerung im Individualverkehr verlor der NVH in den Jahren 1982 - 1989 kontinuierlich Fahrgäste. Die Pkw-Dichte im Hohenlohekreis zeigt im Jahre 1989 mit 541 Pkw auf 1000 Einwohner einen deutlich höheren Wert als der Bundesdurchschnitt mit 487. Daß eine Aufwertung des ÖPNV im Hohenlohekreis dringend erforderlich war, zeigten ganz deutlich die in den Grundlagenforschungen gewonnenen Ergebnisse. Während einer Imageuntersuchung, bei der die Gruppe der Pkw-Benutzer mit der Gruppe der ÖPNV-Nutzer verglichen wurde, stellte sich heraus, daß der Pkw-Fahrer als fortschrittlich, aktiv, und dem Zeitgeist entsprechend angesehen wird, der ÖPNV-Benutzer dagegen eher als bescheiden, vernünftig und oft einer gesellschaftlichen Randgruppe angehörig.

Folgende Zahlen und Fakten hierzu:

Der Anteil des Gesamtverkehrs des Nahverkehrsmarktes im Hohenlohekreis sank von
    15% auf 13%.

In den Marktbereichen Berufs-, Freizeit- und Besorgungsverkehr, die 85% aller Fahrten im
    Kreisgebiet darstellen, lag der Anteil des NVH gerade bei nur durchschnittlich 5,5%.

Nur 23% der Bevölkerung über 15 Jahren nutzen den ÖPNV wenigstens einmal
    wöchentlich.

19% der Bevölkerung könnten bei entsprechender Image- und Angebotsverbesserung für
    den NVH als Kunden dazugewonnen werden.

Der NVH weist erhebliche emotionalsubjektive Imagedefizite auf.

Heutige und potentielle Kunden sind mit dem NVH-Angebot meist nicht zufrieden.



RegioBus

Der NVH reagierte daraufhin mit Methoden, wie sie in der freien Wirtschaft üblich sind, wenn Akzeptanzprobleme auftauchen. Eine intensiv überarbeitete Informationspolitik, sowie eine imagebildende Neugestaltung des Erscheinungsbildes war nun das gesteckte Ziel. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Beratungsunternehmen wurde eine Marketingstrategie entwickelt, die wie man heute sehen kann sehr konsequent in die Realität umgesetzt wurde und auch weiterhin umgesetzt wird. Als wichtigste Identitätsmedien wurden die Fahrzeuge und die Haltestellen angesehen, die somit auch bei der Konzeption mit

besonderer Sorgfalt gestaltet wurden. Als Ergebnis entstanden die vier Produkte "RegioBus", "FrankenExpress", "StadtBus" und "TaxiBus", sowie die Informationssäule "Rondo" und der Fahrgastunterstand "Casa Rondo". Es wurden ein einheitliches Außen- u. Innendesign sowie umfangreiche Qualitätsstandards entwickelt.Der blau/weiße RegioBus wird zur großflächigen Bedienung im Raum eingesetzt, der grün/weiße FrankenExpress als Schnellbusverbindung zwischen den Mittelzentren, der rot/weiße StadtBus zur innerstädtischen Bedienung und der gelb/weiße TaxiBus meist

Haltestelle

als bedarfsgesteuerter Rufbus. Die Fahrzeuge werden hierbei ganz bewußt ausschließlich als Werbemedium zur Eigenwerbung genutzt. Annähernd 95% der beim NVH eingesetzten Fahrzeuge sind als NVH-Produkt erkennbar. Dazu kam die Ausstattung aller Haltestellen mit neuen kundenorientierten Informationssäulen und über 100 zusätzlichen Fahrgastunterständen.

Stadtbus


Expansionsphase
Zwischen 1991 und heute ist erfreulicherweise ein kontinuierlicher Zuwachs an Fahrgästen zu verzeichnen. Der Fahrgastanstieg überholte dabei erstmals 1992 das Bevölkerungswachstum. Die Anzahl der Fahrgäste stieg seitdem kontinuierlich und wesentlich stärker als die Bevölkerung. Besonders die Anstrengungen im Arbeiter- und Berufsverkehr haben sich gelohnt. So betreibt der NVH bis heute 6 Werksverkehre, die speziell für die Firmen MAHLE Filterwerke Öhringen, Gebhardt Ventilatoren Waldenburg, Sigloch Verlag Blaufelden und Ziehl Abegg Ventilatoren Bieringen, ebm Ventialtoren Mulfingen und Fa. Stahl Waldenburg eingerichtet wurden und gleichzeitig das Angebot für den Allgemeinverkehr erhöht haben. Daneben konnten mit einigen Dienstleistern JobTicket-Verträge abgeschlossen werden. Seit April 1996 wurde das NVH-Angebot um einen neuen Betriebszweig ergänzt. In Öhringen wurde ein klassisches StadtBus-System eingeführt, welches die beiden großen Öhringer Wohngebiete im 30-Minuten-Takt mit der Innenstadt verbindet. Die Fahrgastzahl konnte im ersten Betriebsjahr von 500 auf 1000 Fahrgäste/Tag verdoppelt werden. Die Finanzierung dieses StadtBus-Betriebes liegt bei der Stadt Öhringen. 1999 wurde die bestehende Linie SB 52, die das Wohngebiet Büttelbronner Höhe an die Innenstadt anbindet, ebenfalls auf einen 30-Minuten-Takt umgestellt. Zusätzlich begleitet der NVH diverse Veranstaltungen mit Sonderverkehren. Zu den "Klassikern" zählen hierbei z.B. das Eberbacher Gassenfest, das Hohenloher Weindorf, der Öhringer Pferdemarkt und die Öhringer Woche. Auch bei Großveranstaltungen wie z. B. dem Mustang-Event in Künzelsau oder der 650 Jahr Feier in Neuenstein profilierte sich der NVH als kompetenter Partner für die Durchführung von P & R-Verkehren.


Heute
Der NVH bedient heute mit knapp 100 Fahrzeugen rund 742 Haltestellen auf 780 qkm Fläche. Aufgeteilt in etwa 70 Linien legen die Fahrzeuge jährlich eine Strecke von 7,35 Mio. km zurück. Im Jahr 2009 beförderte der NVH knapp 9,0 Mio. Fahrgäste. Der Kostendeckungsgrad lag im Jahr 2003 bei 92,4 %.


Zukunft
Der NVH wird weiterhin bestrebt sein, das bestehende Angebot zu halten. Durch neu zu setzende Qualitätsmaßstäbe und den Einsatz von Instrumenten der Qualitätssicherung- und kontrolle wird der NVH mehr Fahrgäste bei gleichem Angebot gewinnen und somit den ÖPNV in einem finanzierbaren Rahmen fortführen.